Selbst denken – eine Maxime für die sozialwissenschaftliche Bildung

Am 31.01.15 fand die erste Präsentation von Dialog SoWi Band 2 auf der Bildungsmesse in Köln statt. Der Band erscheint im zweiten Quartal 2015, Hinweise zur Gestaltung eines schulinternen Curriculums sind aber bereits jetzt verfügbar, ebenso ein ausführliches Inhaltsverzeichnis.
Leitmotiv für die Präsentation in Köln war die Maxime „Selber denken!“, angelehnt an die Publikation von Harald Welzer: Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand, Bonn: bpb 2013. Für die sozialwissenschaftliche Bildung ist es keine Anleitung zum Widerstand sondern eine Ermutigung, sich selbst eine eigene Position zu erarbeiten und selbst gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In Dialog SoWi Band 2 haben wir in der Einführung das Teilkapitel „Lebenskunst, zwanzig Jahre später“ genutzt, in dem Welzer Visionen für das Jahr 2033 entfaltet, von der Tauschökonomie, dem Strukturwandel der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit bis hin zur grundlegenden Schulreform. An dieser Vision können sich Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Qualifizierungsphase abarbeiten, den Vergleich mit eigenen Zukunftsvorstellungen vornehmen und so eigene Fragen zu Politik, Ökonomie und Soziologie entwickeln. Für Lehrkräfte ist dies eine Chance, Voreinstellungen, Vorwissen und Interessen ihrer Lerngruppe diagnostisch zu erfassen und die inhaltliche und methodische Planung des SoWi-Kurses vor diesem Hintergrund gemeinsam mit der Lerngruppe vorzunehmen.
Mit den Hinweisen zur Gestaltung des schulinternen Lehrplans mit dem Unterrichtswerk Dialog SoWi erhalten die Lehrkräfte ein Instrumentarium, das sie in die Lage versetzt, neben den Schülerinteressen die Obligatorik des Kernlehrplans und die Vorgaben für das Zentralabitur umzusetzen.
An dieser Stelle sei der kritische Hinweis erlaubt, dass der Kernlehrplan nach der Einschätzung des Dialog SoWi Teams gerade in der Qualifikationsphase nicht 75 % der Lernzeit regelt, sondern die Lernzeit mit den inhaltlichen Vorgaben überbucht! Dies ist vor allem deshalb ärgerlich, weil es ein „teaching-to-the-test“ provoziert und für eigenes Denken und für die Auseinandersetzung mit weltbewegenden Ereignissen, wie dem „Charlie-Hebdo-Massaker“ in Paris zu wenig Freiräume lässt.
Wir hoffen, dass Lehrkräfte sich diese Freiräume durch einen geschickten Umgang mit den Vorgaben erarbeiten und bieten daher die Hinweise für den schulinternen Lehrplan in einer Word-Datei an, die auch technisch die Möglichkeit eröffnet, die nötigen Puzzlestücke in eine angemessene Planung einzubringen.

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Dialog SoWi Band 2 erscheint im 2. Quartal 2015

Sie können sich auf den Informationsveranstaltungen zu Dialog SoWi einen eigenen Eindruck im Gespräch mit dem Herausgeber und dem Autorenteam machen.
Die nächste Gelegenheit besteht am 31.01.15 auf dem Bildungskongress in Köln (15.30-16.15) sowie im März an folgenden Terminen:
o7.03.15 Münster, Leonardo-Campus 10
14.03.15 Köln, Hotel Lyskirchen, Filzengraben 26-32
21.03.15 Essen, Arosa Hotel, Rüttenscheider Str. 149
Anmeldung: veranstaltungen@ccbuchner.de oder über
http://www.ccbuchner.de
Das ausführliche Inhaltsverzeichnis stellen wir Ihnen jetzt schon gerne zur Verfügung. Hinweise zum schulinternen Lehrplan folgen in Kürze.

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Zur Umsetzung des Kernlehrplans Sozialwissenschaften

Auch oder gerade in Zeiten von Kompetenzorientierung und Kernlehrplänen gilt es, den Bildungsanspruch des Faches Sozialwissenschaften in der Gymnasialen Oberstufe von Gymnasium und Gesamtschule zu betonen.
Die Bildungsdebatte hat in den letzten Jahren als Gegenbewegung zur „Outputorientierung“ (nomen est omen!) einige neue Impulse bekommen. Krassimir Stojanov versteht Bildung in seiner Arbeit „Bildung und Anerkennung“ als Subjektkonstitution – als Verbindung von Selbst-Entwicklung und Welt-Erschließung“.
Axel Bernd Kunze betont in seiner Auseinandersetzung mit dem Kompetenzbegriff: „Wird Bildung auf Kompetenzvermittlung und damit letztlich auf Performanz reduziert, wird der Bildungsprozess auf das Lösen von Problemen reduziert, die dem Einzelnen als solche vorgegeben sind, die sich das Subjekt aber gerade nicht selbst stellt). Von umfassender Persönlichkeitsbildung kann dann nicht mehr gesprochen werden, allenfalls vielleicht von Persönlichkeitsentwicklung oder sogar zweckgerichteter und einseitiger von Personalentwicklung. Dies wäre letztlich ein antiaufklärerisches Programm, zumal die Kompetenzen ohne Zentrierung auf das zur Selbstbestimmung fähige Subjekt schnell beliebig werden. Werden Kompetenzen nicht mehr in Bezug zur sittlichen Urteils- und umfassenden Handlungsfähigkeit des Menschen gesetzt, wird immer diffuser, was unter einer „kompetenten Persönlichkeit“ überhaupt verstanden werden soll.“
Der Kernlehrplan fasst den Bildungsauftrag des Faches so zusammen:
„Zum Leitbild des Faches gehören die sozialwissenschaftlich gebildeten, zur demokratischen Auseinandersetzung und zur reflektierten Teilhabe fähigen mündigen Bürgerinnen und Bürger – als mündi-ge Staatsbürgerinnen und -bürger, als mündige Wirtschaftsbürgerinnen und -bürger sowie als mündige Mitglieder vielfältiger gesellschaftlicher Gruppierungen. Dazu entwickeln die Schülerinnen und Schüler eine umfassende sozialwissenschaftliche Kompetenz.
Im Rahmen der sozialwissenschaftlichen Bildung leistet das Fach einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Erziehung. Zentrales Bildungsziel des Unterrichts im Fach Sozialwissenschaften ist der Erwerb der Demokratiefähigkeit durch aktives Demokratielernen. Dieses ist zugleich Fach- und Unterrichtsprinzip.“
Kernlehrpläne beschreiben die zentralen fachlichen Kompetenzen, die verbunden mit den vorgegebenen Inhaltsfeldern die Obligatorik des Faches ausmachen. Diese Obligatorik soll 75% der Unterrichtszeit abdecken, die 25% verbleibende Zeit kann für Vertiefungen und Schwerpunktsetzungen genutzt werden.
„Der Grundgedanke dieser Standardsetzung ist es, in kompetenzorientierten Kernlehrplänen die fachlichen Anforderungen als Ergebnisse der schulischen Arbeit klar zu definieren. Die curricularen Vorgaben konzentrieren sich dabei auf die fachlichen „Kerne“, ohne die didaktisch-methodische Gestaltung der Lernprozesse regeln zu wollen. Die Umsetzung des Kernlehrplans liegt somit in der Gestaltungsfreiheit – und der Gestaltungspflicht – der Fachkonferenzen sowie der pädagogischen Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer. Schulinterne Lehrpläne konkretisieren die Kernlehrplanvorgaben und berücksichtigen dabei die konkreten Lernbedingungen in der jeweiligen Schule. Sie sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler die angestrebten Kompetenzen erreichen und sich ihnen verbesserte Lebenschancen eröffnen“ (Vorwort der Ministerin zu den Kernlehrplänen).
Schulinterne Lehrpläne sollen die „Gestaltungspflicht“ nachweisen und aufzeigen, dass alle im Kernlehrplan vorgegeben Kompetenzen durch die Bearbeitung der Inhaltsfelder angestrebt werden. Die Gestaltung der Unterrichtsvorhaben bleibt aber in der professionellen Verantwortung der wissenschaftlich und unterrichtspraktisch ausgebildeten Fachlehrkräfte – Gestaltungsfreiheit -, die die fachdidaktische und fachmethodische Aufgabe haben, im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern eigene Fragen zu entwickeln, ihnen so selbstgesteuert wie möglich sozialwissenschaftliches Denken und Handeln zu ermöglichen und sie als „mündige Bürgerinnen und Bürger“ zu ernst zu nehmen und zu unterstützen. Nur so kann Demokratielernen als Unterrichtsprinzip wirksam werden. Dies erfordert, dass die Konkretion von Themen und Methoden dialogisch im Kurs entwickelt wird und nicht durch schulinterne Lehrpläne oder andere Vorgaben gesetzt wird.
Anregungen für einen schulinternen Lehrplan finden Sie auf der Website http://www.dialog-sowi.de

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Zur systematischen Entwicklung von Methodenkompetenz in der sozialwissenschaftlichen Bildung

„Die Wege und Mittel der Erziehung und des Unterrichts sind dementsprechend Wege des Dialogs zwischen zur Mündigkeit herausgeforderten Menschen und Mittel zur möglichst selbstbestimmten und kooperativen Aneignung der Realität.“ (Otto/Schulz 1985, S. 15)

Diese programmatische Bestimmung des Methodenbegriffs für den schulischen Kontext aus den 80er Jahren hat immer noch ihre uneingeschränkte Gültigkeit, besonders für den Bereich der sozialwissenschaftlichen Bildung.
Zum Ausdruck kommen hier
• die Herausforderung zur Mündigkeit,
• das dialogische Verhältnis von Subjekten im Bildungsprozess,
• der möglichst hohe Grad an Selbstbestimmtheit des Lernens,
• der möglichst hohe Grad an Kooperativität des Lernens,
• der aktiv-forschende Aneignungscharakter des Lernens.
Dies sind nachwievor innovative Aufträge an die sozialwissenschaftliche Bildung, die in Zeiten zentraler Prüfungen und curricular überfrachteter Lehrpläne eher gefährdet als eingelöst sind.
Auch in den Sozialwissenschaften findet man ein Methodenverständnis, das ein Kontinuum herstellt von den Erkenntnismethoden der Subjekte im Alltag bis hin zu Fragen der Wissenschaftstheorie und Methodologie:
„Die sozialwissenschaftlichen Methoden zur Erkenntnis der Umwelt entstehen aus den Alltagstechniken. In ihnen organisieren sich die persönlichen Erfahrungen und die tradierten der Vorgenerationen zu einem Bestand täglich genutzter Strategien. Wir erkennen, bewerten, verändern die Umwelt nach Regeln, die wir gelernt, erfahren und im Gebrauch verändert haben. Die Alltagstechniken sind das Reservoir für alle sozialwissenschaftlichen Methoden. Sie werden aus ihnen entwickelt, durch Ausgrenzung, durch Absonderung aus ihrem Alltags-Zusammenhang, durch Abstraktion. Beispielsweise experimentieren wir mit Subjekten und Objekten im Alltag, wir erzeugen Situationen, die Menschen oder Gegenstände auf eine Probe stellen. Auch das Spiel hat den Reiz des Ausprobierens. Auf wissenschaftlicher Ebene prüfen wir ein Objekt unter kontrollierten Bedingungen in eingeengter, auf wenige Aspekte reduzierter Weise. Das wissenschaftliche Experiment ist eine Abstraktion des alltäglichen Experimentierens. Gleiches geschieht mit der Beobachtung. (…) Die sozialwissenschaftlichen Verfahren zur Erkenntnis der Umwelt sind also nicht aufgesetzt auf die natürlichen Techniken, ihnen nicht fremd, nicht deduziert aus in sich widerspruchsfreien Gedankengebilden, sondern nach den gleichen Regeln funktionierend wie die natürlichen.“ (Kleining 1995, S.12f.)
Der neue Kernlehrplan Sozialwissenschaften für die Gymnasiale Oberstufe in NRW unterscheidet im Bereich Methodenkompetenz „Verfahren sozialwissenschaftlicher Informationsgewinnung und –auswertung“ (3 Standards), „Verfahren sozialwissenschaftlicher Analyse und Strukturierung (2 Standards), „Verfahren sozialwissenschaftlicher Darstellung und Präsentation“ (5 Standards) und Verfahren sozialwissenschaftlicher Erkenntnis- und Ideologiekritik“ (10 Standards). Eine ausführliche kritische Würdigung dieser Vorgaben bleibt einem Beitrag in Politisches Lernen vorbehalten. Schon jetzt aber kann gesagt werden, dass es einerseits positiv ist, den Methodenbereich als Kompetenzbereich auszuweisen. Systematik, Schwerpunktsetzung und Gewichtung erscheinen aber nicht plausibel.
Wenn es darum geht, dass Methoden eine selbstständige Aneignung der sozialen Wirklichkeit ermöglichen sollen, müssten konkrete Methoden und Verfahren der Sozialwissenschaften im Vordergrund stehen – hierzu wurde jedoch nur ein einziger Standard zur Erhebung mit empirischen Methoden formuliert. Die zehn Standards zur Erkenntnis- und Ideologiekritik beschreiben aber keine konkreten methodischen Zugriffe, sondern fordern Analyseschritte ein, die in jedem hermeneutischen Verfahren grundlegend sind für die es aber keine gesonderten methodischen Einzelverfahren gibt.
Mit dem Schulbuchwerk Dialog SoWi werden die Anforderungen des Kernlehrplans eingelöst, zugrundegelegt wird aber ein systematische Methodencurriculum, das bereits im Jahr 2001 entwickelt und veröffentlicht wurde. Mit dem Erscheinen des Bandes 1 im April 2014 wird an dieser Stelle eine Methodenmatrix veröffentlicht, die die systematische Verteilung der Methodenkompetenzbereiche auf die einzelnen Kapitel nachweist.

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Portfolio Dialog SoWi

Zur Arbeit mit dem Portfolio Dialog SoWi
Lernen in der gymnasialen Oberstufe sollte so selbstständig wie möglich gestaltet werden, dann macht es mehr Freude, ist ertragreicher und bereitet besser auf künftiges Lernen in Studium und Beruf vor.
Das Portfolio zum Schulbuchwerk Dialog SoWi ermöglicht in vier Bereichen ein selbstständigeres Lernen:

1. Im Kreativsektor
Hier können Stichpunkte, Assoziationen, Karikaturen, Skizzen und Fragen gesammelt werden, die im Verlauf des Lernprozesses anfallen. Sie sind zu schade zum Wegschmeißen, können aber noch nicht systematisch genutzt werden – verhelfen aber später vielleicht zu Erkenntnissen und Einsichten. Sie sind auch gut dialogisch zu nutzen – Kursmitglieder können Kommentare eintragen, Anregungen, Widersprüche…

2. Im Sprachsektor
Hier können Sie Ihr eigenes Glossar anlegen und können so Ihre Fähigkeiten verbessern, sozialwissenschaftliche Fachsprachen besser und präziser zu nutzen. Außerdem erhalten Sie hier Unterstützungsmaterialien zur Arbeit mit schwierigen Texten.

3. Im Kompetenzsektor
Hauptteil des Kompetenzsektors sind die Übersichtsblätter mit den zu erreichenden Kompetenzen, strukturiert nach den einzelnen Kapiteln von Dialog SoWi. Sie können hier selbst den Stand Ihrer Kompetenzentwicklung einschätzen
Die Einschätzung Ihres erreichten Kompetenzstandes können Sie auf zwei Ebenen vornehmen:
• Das kann ich schon.
• Das möchte ich noch üben.
Ihre Übungsvorsätze können Sie dann direkt in persönliche Zielsetzungen umwandeln.

Außerdem können sie den Kompetenzübersichten eigene Belegstücke zugeordnen (z.B. Hausaufgaben, Thesenpapiere oder Referate), an denen zu erkennen ist, dass und wie Sie die Kompetenz erreicht haben. So können Sie hier Ihren Lernweg reflektieren, der zur Kompetenzerreichung geführt hat. Oder Sie können Vorsätze formulieren, wie Sie ein höheres Niveau der Kompetenzerreichung erreichen wollen. Auch dieser Teil kann dialogisch genutzt werden und der/die Schreiber/in kann sich eine Fremdeinschätzung der Kompetenzerreichung einholen oder Belege vergleichen, methodische Strategien erörtern.
Ob dieser Kompetenzsektor auch der Lehrkraft zugänglich gemacht wird, muss im Kurs entschieden werden.

4. Im Privatsektor
Im sozialwissenschaftlichen Unterricht geht es auch darum, sich selbst auf die Spur zu kommen und die eigene Entwicklung von politischen, ökonomischen und soziologischen Haltungen und Standpunkten zu reflektierten und bewusst zu steuern.
An vielen Stellen des Schulbuchwerks werden biografisch orientierte Lernaufgaben angeboten. Aber immer dann, wenn es um sehr Persönliches geht, will man dies nicht unbedingt mit anderen teilen. Daher ist dieser Teil des Portfolios strikte Privatzone. Nur der/die Schreiber/in des Portfolios entscheidet, ob und wem er/sie Einblick gewährt.

Portfolio-Arbeit ist zunächst einmal immer eine sehr individuelle Schreibarbeit. Sie sind Ihr eigener Adressat und entscheiden ganz allein, ob Sie Ihre Reflexionen mit jemandem teilen wollen. Wenn Sie dies wollen, bietet sich immer die Tandem-Portfolioarbeit an. Sie können wechselseitig lesen oder auch Kommentare und Rückmeldungen einfügen. Sie können im Kurs auch vereinbaren, Portfolio-Elemente öffentlich zu machen, etwa in einem Galeriegang, in dem alle (die dies wollen) eine Portfolioseite zugänglich machen und so einen Überblick über das Eintragsspektrum im Kurs geschaffen werden kann.
Die Portfoliobögen werden fortlaufend aktualisiert und ergänzt. Hierbei wollen wir Ihre Erfahrungen mit der Nutzung berücksichtigen und umsetzen. Teilen Sie uns daher Ihre Anregungen und Wünsche über den Dialog-SoWi-BLOG mit.
Das Portfolio Dialog SoWi wird Ende April digital auf der Seite http://www.dialog-sowi.de zur Verfügung stehen.

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Forschendes Lernen im Fach Sozialwissenschaften

Der Bildungsauftrag der Gymnasialen Oberstufe für Gymnasien wie für Gesamtschulen besteht nachwievor – auch wenn Kernlehrpläne dies nicht so ausweisen aus den beiden Komponenten

·        Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung und

·        Wissenschaftspropädeutik.

Unter Wissenschaftspropädeutik werden sowohl die vertiefte Allgemeinbildung wie auch die Studierfähigkeit gefasst.

Beide Dimensionen des Bildungsauftrags lassen sich mit forschendem Lernen am besten realisieren. Lernen durch Forschung und Lernen des Forschens durch altersgemäße Vorformen von Forschung .- dem forschenden Lernen –  ermöglichen es, eigenen sozialwissenschaftlichen Forschungsfragen möglichst aktivierend, selbstständig und problemorientiert nachzugehen.

Für die politische bzw. sozialwissenschaftliche Bildung gibt es einige elaborierte Beispiele, die verdeutlichen, welches Potenzial in diesem Ansatz enthalten ist. So führen Lernaktivitäten im „Politik-Labor“ oder „Stadtforscher-Aktivitäten dazu, an realen gesellschaftlichen Problemen vor Ort, das Interesse an Politik und gesellschaftlicher Beteiligung zu erhöhen. Die digitalen Medien sind in diesem Kontext bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Das Schulbuchwerk Dialog SoWi möchte durch ein systematisches, integriertes Methodencurriculum (mehr dazu demnächst in diesem BLOG) forschendes Lernen unterstützen, soweit dies im Rahmen eines Schulbuches möglich ist. So werden im neuen Band 1 im

·        Kapitel 1 quantitative und qualitative Forschungsmethoden am Beispiel der Jugendforschung eingeführt;

·        Kapitel 2 sozialwissenschaftliche Modellbildung sowie Erkundungsvorhaben im Bereich der Verbraucherbildung präsentiert;

·        Kapitel 3 Verfahren der Erkundung am Beispiel des Betriebs vorgestellt;

·        Kapitel 4 klassische Methoden der Sozialforschung (Experiment, Beobachtung, Befragung, Soziometrie) am Beispiel der Kleingruppenforschung zur direkten Umsetzung in der eigenen Kursgruppe aufbereitet;

·        Kapitel 5 Verfahren der hermeneutischen Textanalyse eingesetzt;

·        Kapitel 6 die Auswertung von empirischen Daten eingeübt , die eigene computergestützte Datengewinnung sowie das Arbeiten mit dem Instrument Politikzyklus trainiert.

Das Dialog SoWi Team wäre sehr daran interessiert, Rückmeldungen von den Nutzerinnen und Nutzern zu erhalten, wie hilfreich die Unterstützung im methodischen Bereich wahrgenommen wird. Über den BLOG könnte dann auch ein Austausch über Erfahrungen und Ergebnisse mit forschendem sozialwissenschaftlichen Lernens erfolgen.

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Wir sind das Web -Neue Formen der politischen Beteiligung

Dialog SoWi Band 1, Kapitel 6

Problemorientierung

Demokratie lebt von der Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger.  Dadurch wird mittels demokratischer Wahlen und weiterer Partizipationsformen an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen die Legitimation des politischen Systems gewährleistet. Die rasante Entwicklung und Verbreitung des Internet als Informations- und Kommunikationstechnologie haben neue Formen der politischen Beteiligung in der (elektronischen) Demokratie  hervorgebracht, die für die Internetnutzerinnen und Internetnutzer eine enorme Erweiterung des Partizipationspotenzials bedeuten. Hier ergeben sich im Web 2.0 insbesondere für Jugendliche durch neue interaktive Teilhabeinstrumente attraktive Möglichkeiten des Online-Engagements.
Der demokratie- und medientheoretische Diskurs bewegt sich dabei zwischen der Euphorie einer neuen  digitalen Agora im viel beschworenen „digitalen Dorf“ (so im ISPRAT-Whitepaper „Vom Open Goverment zur Digitalen Agora“, http://isprat.net/fileadmin/downloads/pdfs/Whitepaper_Open%20Government_Digitale_Agora_formatiert_v039.pdf) einerseits und der „digitalen Kränkung des Menschen“ andererseits (so der bekannte Blogger und Medienjournalist Sascha Lobo in seinem aufrüttelnden Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v.12.01.2014, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-menschen-12747258.html) , wonach diese Utopie des Internet als „perfektem Werkzeug der Demokratie“  – gleichsam als revolutionärer Akt der partizipatorischen Selbstbefreiung –  bereits wieder verloren gegangen sei angesichts der umfassenden Internetkontrolle im Zuge des NSA-Skandals und des „Kontrollwahns“ der Medienkonzerne wie etwa Google und Facebook. Damit sind die Möglichkeiten und Grenzen der Elektronischen Demokratie immer auch eingebettet in die gegenwärtige Debatte um die Postdemokratie. Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch warnt in diesem Zusammenhang vor der inneren Aushöhlung der Demokratie gerade durch den Verfall der politischen Kommunikation angesichts der zunehmenden Kommerzialisierung der Medien. Dies hat naturgemäß auch in großem Maße Auswirkungen auf die politische Partizipation per Internet. Demgegenüber formuliert der Historiker Paul Nolte durchaus Chancen für ein neues authentisches Interesse an Politik: “
Das Internet bezeichnet den tiefsten Kommunikationswandel seit der Erfindung des Buchdrucks. Es wäre doch erstaunlich, wenn sich das nicht auch in politischen Bewegungen niederschlägt.“
(Interview mit der tageszeitung vom 06.04.2012, http://www.taz.de/!91005/)
 Dieser Kontroverse wird in diesem Kapitel unter verschiedenen Perspektiven nachgegangen. Von besonderem Interesse dürfte dabei die empirische Analyse des Datenmaterials zur Internetnutzung unter der Fragestellung der „digitalen Spaltung“ sein, welche politisch mit der Forderung nach einem „Grundrecht auf Internet“ (Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke im Deutschen Bundestag) korrespondiert.

Neue Inhaltsaspekte

In der Neuauflage greifen wir die aktuelle Debatte um die Motive politischer Beteiligung junger Erwachsener im Internet zwischen „simulierter Demokratie im Internet“ durch „Klick, Maus und Shitstorm“ (Andrian Kreye in seinem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung v. 25.01.2014, http://www.sueddeutsche.de/kultur/simulierte-demokratie-im-internet-klick-maus-und-shitstorm-1.1871585) einerseits und der „Entdeckung der virtuellen Macht“ (Bettina Levecke in “Thema der Woche“ v. 21.03.2013 unter: http://www.schulbuchzentrum-online.de/magazin/magazin_artikel.php?id=616#) durch das politische Engagement von Jugendlichen in sozialen Medien und virtuellen Netzwerken andererseits auf. Weiter wird die Kontroverse um Liquid Democracy als neue Form der Online-Beteiligung unterrichtspraktisch aufbereitet.  Schließlich werden aktuelle Debatten um Wahlen per Internet und die Auseinandersetzung um Netzneutralität in diesem Kapitel aufgegriffen. 

Neue Methoden

Die oben skizzierten Spannungsfelder neuer Formen der  politischen Beteiligung über das Internet werden für den sozialwissenschaftlichen Unterricht in variablen Medien- und Methodensettings stets schüleraktivierend konzipiert. Grundlage sind dazu zunächst bewährte Formen empirischer Nutzerdatenanalyse auf der Grundlage aktualisierter Grafiken und Schaubilder, die Durchführung von computergestützten Befragungen mit dem Programm GrafStat sowie die innovative Erprobung eines Benchmarking Tests zur Bewertung der Internet-Angebote von Parteien, Politikern und virtuellen Rathäusern.
Neu in diesem Kapitel ist die internetgestützte Erarbeitung der Grundorientierung politischer Parteien mithilfe des Wahl-O-Mat, der gerade von Schülerinnen und Schüler genutzt wird. Weiter wird unter der Fragestellung „Wem gehört das Netz?“  der Konflikt um die Netznutzung im Rahmen einer Web-Unit gemäß dem Politikzyklus analysiert und erörtert.

 

Links

http://www.politik.de: das Beteiligungsportal hilft  gesellschaftspolitische Beteiligungsprojekte zu realisieren und informiert die Nutzergemeinde über Neuigkeiten der E-Partizipation. Für eine bessere Orientierung in der Partizipationslandschaft mit ihren zahlreichen Beteiligungsprojekten zeigt die Plattform unter der Rubrik „Projekte entdecken“ eine übersichtliche Deutschlandkarte.
http://www.abgeordnetenwatch.de: erfolgreiches Internetportal zur elektronischen Kon­taktaufnahme mit Abgeordneten aus Landtagen, Bundestag und EU­Parlament gemäß dem Motto „Bürger fragen – Politiker antworten“.
http://www.digitale­chancen.de: umfangreiche Sammlung von Daten und Analysen zur Internetnutzung und digitalen Integration in Deutschland.
http://politikdigital.de: eine hervorragende Informations­ und Kommunikationsplattform zum Thema „Internet und Demokratie“ mit vielen weiterführenden Linksammlungen https://adhocracy.de:  kostenlose Beteiligungssoftware für Organisationen und Interessengemeinschaften zur demokratischen Teilhabe.
http://www.bitkom.org: versteht sich als Sprachrohr der IT­, Telekommunikations­ und Neue­Medien­Branche; umfangreiche Sammlung von empirischen Studien zur lnternetnutzung. http://www.e­demokratie.org: Plattform mit der Zielsetzung, Bürgern demokratische Mitbestimmungs­ und Gestaltungsmöglichkeiten interaktiv per Internet aufzuzeigen; gerade für Bloggerinnen und Blogger sehr interessant.
https://epetitionen.bundestag.de: Internetportal mit der Möglichkeit, Bitten und Beschwerden per Internet an den Deutschen Bundestag zu richten.
http://www.bundestag.de/internetenquete: Einstiegsadresse zum Bereich „Internet und Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages.
https://liqd.net: Der Liquid Democracy e.V. arbeitet an Projekten zukunftweisender Bürgerbeteiligung in Organisationen, Verwaltung und Politik.
http://www.buergerhaushalt.org: umfangreiche, sehr anregende Webseite zum Thema „Bürgerhaushalt“, d. h. Mitbestimmung bei kommunalen Haushaltsfragen per Internet. http://www.mitarbeit.de: Homepage der Stiftung MITARBEIT, die sich die „Demokratieentwick­lung von unten“ zur Aufgabe macht und sich als Servicestelle für das bürgerschaftliche En­gagement außerhalb von Parteien und großen Verbänden versteht.
http://www.bpb.de: vielfältiges Online­Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung http://netzpolitik.org: ein Blog und eine politische Plattform für digitale Bürgerrechte mit einem vielfältigen Angebot unter Einbezug wichtiger sozialer Netzwerke. http://www.podcast.de: eine wahre Fundgrube mit Suchwerkzeugen rund um das Thema „Podcasts“; enthält eine umfangreiche Sammlung von Podcasts aller politischen Bereiche. http://www.wahlrecht.de: unabhängiges, überparteiliches und nicht­kommerzielles Internet­Angebot rund um die Themen Wahlen, Wahlrecht, Wahlverfahren und Wahlprognosen.

Das Kapitel wurde federführend von Werner Völlering erarbeitet. Er steht für Fragen, Kommentare und Anregungen hier im BLOG gerne zur Verfügung.

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